Crash selbstverschuldet, wer zahlt den eigenen Personenschaden?

Verkehrsrecht
Hund auf der Straße - Unfall

Der Geschädigte ist auf einer Straße unterwegs, weicht einem Hund aus, verliert die Kontrolle über seinen Wagen und überschlägt sich. Der Hundehalter ist nicht mehr ermittelbar. Das Ergebnis kann ein martialischer Personenschaden mit umfangreichen Schmerzensgeldansprüchen, Verdienstausfallschäden, Haushaltsführungsschäden und weiteren Belastungen sein. Wer zahlt hierfür?

Ist kein Verursacher zu ermitteln, kommt die Kasko-Versicherung, soweit abgeschlossen, bekanntermaßen für den reinen Fahrzeugschaden auf. Weitere Ersatzansprüche gibt es nicht.

Fahrerschutzversicherung

Diese Deckungslücke kann durch eine sogenannte Fahrerschutzversicherung (Kasko-Versicherung für den Fahrer) geschlossen werden. Dieser Baustein wird mittlerweile von den Kraftfahrzeughaftpflichtversicherern angeboten. Die Zusatzprämie pro Jahr bewegt sich lediglich im Bereich von ca. 30,00 €. Hintergrund dürfte sein, dass hiermit ein subsidiärer Schutz eingekauft wird. Eine Eintrittspflicht besteht nur dann, wenn eben ein Verschulden feststeht und vom Gegner keine vollständige Leistung erlangt werden kann. Relevant wird sie allerdings auch, wenn beispielsweise nur eine quotale Regulierung durch die Gegenseite erfolgt.

Prüfungspflichten des Geschädigtenanwalts

Der Rechtsanwalt eines Anspruchstellers sollte also immer abklären, ob das Opfer nicht ggf. über seine eigene Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung Leistungen bei dieser geltend machen kann, auch wenn nur eine quotale Regulierung durch die Gegenseite erfolgt.

Prinzipiell ist auch jedem Versicherungskunden zu empfehlen, diesen zusätzlichen Versicherungsbaustein für kleines Geld mit abzuschließen, damit dieses erhebliche Eigenrisiko versichert wird. Leider ist diese Möglichkeit der umfassenden Absicherung nach wie vor weitestgehend unbekannt.

Beratungsverschulden des Versicherungsvertreters

Ausgehend davon, dass die genannte Fahrerschutzversicherung üblicherweise zum normalen Deckungskonzept eines Versicherers gehört, ist auch der Versicherungsvertreter verpflichtet, auf diese Möglichkeit des weitergehenden Versicherungsschutzes hinzuweisen. Das OLG Zweibrücken hat in einem Beschluss vom 27.10.2016 (zum AZ 1 W 4/16) explizit geklärt, dass der Arbeitgeber des Versicherungsvertreters, die entsprechende Haftpflichtversicherung, wegen Beratungsverschuldens ihres Mitarbeiters Leistungen aus der nicht abgeschlossenen Fahrerschutzversicherung erbringen muss, und zwar zumindest dann, wenn der Kunde bei Vertragsabschluss eine umfassende Beratung gewünscht hatte und er gegenüber dem Versicherungsvertreter erklärte, dass er im Hinblick auf den hohen Fahrzeugwert und die Vollfinanzierung des Kaufpreises nicht nur eine bloße Haftpflichtversicherung wünschte.

Quintessenz: Bei jedem Abschluss eines Kraftfahrzeughaftpflichtversicherungsvertrages ist dringend auch der Abschluss einer Fahrerschutzversicherung zu empfehlen. Ist dies trotz Bitte um eine bestmögliche Absicherung der eigenen Risiken im Straßenverkehr unterblieben und hat der Versicherungsvertreter nicht ausdrücklich auf die Möglichkeiten dieses zusätzlichen Versicherungsschutzes hingewiesen, bestehen durchaus Erfolgsaussichten auf eine Geltendmachung von Ansprüchen.